Interdisziplinäres, kooperatives Promotionskolleg „Ethik, Kultur und Bildung für das 21. Jahrhundert“

Das Promotionskolleg wurde von den kooperierenden Hochschulen als ein interdisziplinäres Forum konzipiert, in dem sich Nachwuchswissenschaftler mit aktuellen und klassischen Problematiken der Wertorientierung und Wertebildung in ihren komplexen wissenschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Kontexten im Rahmen einer Qualifikationsarbeit zur Erlangung der Doktorwürde auseinandersetzen können. Den Nachwuchswissenschaftlern soll dabei sowohl wissenschaftlich als auch finanziell und ideell ein Umfeld geboten werden, das eine umfassende und detaillierte Beschäftigung mit dem jeweiligen Forschungsgegenstand möglich macht. Zu den behandelten Forschungsschwerpunkten zählen dabei:

  • Grundlegende ethische Fragen nach dem Status von „Werten“, „Normen“ oder „Moralvorstellungen“. Neben der wissenschaftlichen Bedeutsamkeit dieser Grundlagenforschung kann die Analyse dieser Formen philosophisch-ethischer Grundbegriffe in innovativen Modellbildungen für angewandte Fragen fruchtbar gemacht werden.
  • Angewandte Fragen nach den ethischen Dimensionen verschiedener Forschungsbereiche, wie etwa: Medien und die Herausforderungen digitaler Gesellschaften, interkulturelle Bildung und gesellschaftliches Selbstverständnis vor dem Hintergrund von Flucht und Migration, oder auch Fragen nach dem Status der Religion und unserem Menschenbild in Kontexten, wie etwa „Entscheidungen am Lebensende“.

Mit dieser thematischen Ausrichtung fühlen sich die Hochschulen nicht nur wissenschaftlicher Exzellenz verpflichtet, sondern nehmen auch aktiv ihren gesellschaftspolitischen Auftrag wahr, Menschen auszubilden, die sich selbstbewusst und kreativ den komplexen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen. In den hier skizzierten Themenfeldern, „(Trans)Kulturelle Bildung“, „Globalisierung“, „Befähigung und Care in sozialer Verantwortung“ sowie „Mensch und digitale Gesellschaft“, sollen solche Fragestellungen verhandelt werden.

Mensch und digitale Gesellschaft

Der Transformationsprozess, der gemeinhin mit dem Ausdruck „Digitale Revolution“ beschrieben wird, führt auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Sachbereichen zu Unsicherheiten im Hinblick auf seine Bewertung und Gestaltung. Als Metaprozess verändert er Möglichkeiten und Bedingungen des menschlichen Handelns und (öffentlichen) Kommunizierens schlechthin. Zusammen mit Entwicklungen der maschinellen Intelligenz verändern sich dadurch auch die Vorstellungen des Menschen von sich selbst und auch seine Wertorientierungen. Wissenschaftliche Reflexionen der Digitalität sind daher nötig auf den Ebenen Ethik, Kultur und Bildung.

Befähigung und Care in sozialer Verantwortung

„Care“ kann mit (Für-)Sorge, Sich-Kümmern-um, Pflege übersetzt werden und steht konzeptionell für interprofessionelles Handeln, das sowohl auf die Klienten als auch auf die Caregivers zielt (Self-Care, Resilienz). Inzwischen hat sich der Care-Begriff in mehreren Sprachen eingebürgert (Zielinski 2010; Aulenbacher et al. 2014; Thelen 2014). Spiritual Care ist auch im deutschen Sprachraum die Bezeichnung für die gemeinsame Sorge aller Gesundheitsberufe um existenzielle, religiöse und spirituelle Ressourcen, Bedürfnisse und Probleme kranker Menschen eingebürgert, zunächst innerhalb von Palliative Care (Frick & Roser, 2011). Spiritual Care kann nicht nur die Lebensqualität und Krankheitsverarbeitung der Patienten fördern, sondern möglicherweise auch die Resilienz der Personen in den Gesundheitsberufe stärken (Frick & Schießl, 2015) (Boothe & Frick 2017). Im Unterschied zu einer häufig geäußerten Vermutung erschwert nicht in erster Linie die Zeit- und Geldknappheit die Implementierung von Care allgemein und speziell von Spiritual Care in den Gesundheitsberufen. Vielmehr stellt die von den Mitarbeitenden diesbezüglich wahrgenommene „Inkompetenz“ das größte Hindernis gegenüber einer von Care bestimmten Unternehmenskultur dar. Aus diesem Grund besteht Forschungsbedarf hinsichtlich der Operationalisierung von Care-Kompetenz und der Evaluation geeigneter Trainingsmaßnahmen. Die zahlreichen, v.a. englischsprachigen Untersuchungen zur Fort- und Weiterbildung in Spiritual Care zeigen, dass Medizin, Pflege und andere Gesundheitsberufe jeweils über professionsspezifische Kompetenzen verfügen, die durch geeignete Trainingsmaßnahmen gezielt gefördert werden können (Paal et al. 2015)

Ethik der Globalisierung

„Globalisierung“ beschreibt eine bisher nicht gekannte Verdichtung und Beschleunigung grenzüberschreitender Interaktionen, die zu einer auch alltäglich erfahrbaren Wirklichkeit geworden sind und Individuen, Institutionen und Staaten immer dichter und schneller in einem komplexen Gefüge wechselseitiger, oft ungleichgewichtiger Abhängigkeiten vernetzt. Die verschiedenen Globalisierungsprozesse (ökonomisch, sozio-kulturell, politisch, sozial, ökologisch) haben die Weltgesellschaft zu einer globalen Schicksalsgemeinschaft gemacht, da viele Herausforderungen sich nur gemeinsam durch koordiniertes Handeln bewältigen lassen. Damit stellt sich die Frage, wie Verantwortung für gemeinsames Handeln begründet und in den verschiedenen Handlungsbereichen nach welchen Kriterien angemessen verteilt und umgesetzt werden kann.

(Trans)kulturelle Bildung

(Trans)kulturelle Bildung versteht sich als gegenwärtige und zukünftige Erweiterung eines  Bildungsverständnisses auf der Grundlage eines zeitgemäßen Verständnisses sich verflechtender und wechselseitig bereichernder Kulturen (Welsch 2010) und als Grundlage zur Entwicklung einer an Heterogenität und Diversität orientierten Gesellschaft. Dabei ist es von besonderer Bedeutung darauf zu blicken, welche Bedürfnisse die Menschen haben und ihr Leben führen, um sich in einem „globalen Zeitalter” am Beginn des 21. Jahrhunderts zurechtzufinden. (Trans)kulturelle Bildung beschreibt einen Verstehensprozess inmitten der fortschreitenden globalen Zirkulation von Zeichen- und Bildsorten und deren semantischer Verschiebungen, Übersetzungen und Überlagerungen (Wagner/Wenrich/Ratzl 2017). Daraus entstehen völlig neue kulturelle Räume, welche von dem gleichzeitigen Bewusstsein für kulturelles Erbe, kulturelle Identität(en) und dem Anspruch eines transkulturellen Kompetenzerwerbs (Wille 2016) geprägt sind. Dieser Kompetenzerwerb ist als zentrale Ermöglichungsbedingung von globaler Persönlichkeitsbildung aufzufassen, die vor allem als begriffliche Selbst-Artikulation und universalisierende Selbst-Transformation zu verstehen ist (Stojanov 2018).

 

Promotionskolleg

Das Promotionskolleg vergibt zehn Plätze zur Promotion.

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