Dekonstruktion liberaler Subjektivität. Eine (Meta-)Kritik der Strukturen des Politischen (Arbeitstitel)

Julian Prugger (Betreuender: Prof. Dr. Michael Reder)

Promotionsvorhaben

Eine Ethik der Globalisierung, der es um eine globale Konzeption von Politik geht, muss sich zunächst darum bemühen ein Verständnis des Politischen herauszuarbeiten, welches es vermeidet durch Subjektkonstruktionen Ausschlussmechanismen zu überdecken. Das Politische bezieht sich dabei auf die Art und Weise wie die Gesellschaft eingerichtet ist. Kosmopolitische Theorien sind diesbezüglich zu kritisieren, da sie von einer potenziell harmonisierbaren Weltgesellschaft ausgehen. Das Fundament, auf das sich diese Annahme stützt, besteht in der Konstruktion einer individualistisch-rationalen Subjektivität. Dies teilen sie mit liberalen Theorien. In Anknüpfung an a) Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, b) Daniel Loick sowie c) Didier Eribon und Pierre Bourdieu kann diese Subjektivitätskonstruktion dekonstruiert werden. Zutage tritt eine antagonistische Struktur des Politischen. Sie verdeutlicht, wie der theoretische Versuch, Gesellschaft als harmonisierbare Totalität abzubilden, zu Ausschlussmechanismen führt, die innerhalb liberaler Theorien übersehen werden. Aus der Kritik heraus ergeben sich dabei drei Orte des Antagonismus. Sie zeigen sich im Ausschlussmechanismus von a) politischer Rationalität, b) souveräner Rechtsstaatlichkeit sowie c) symbolischen Machtstrukturen. Die genannten Autor*innen versuchen, im Anschluss an ihre Kritik, das Politische zu rekonzeptualisieren. Es geht ihnen dabei darum, die antagonistische Struktur in ihre Entwürfe zu integrieren. Dies scheitert letztlich daran, dass es aufgrund der Pluralität von Antagonismen wieder zu Ausschlüssen kommt. Darin zeigt sich die Herausforderung, der sich globale Konzeptionen von Politik stellen müssen: Das Politische ist durch eine Vielzahl antagonistischer Orte gekennzeichnet. Inwiefern Rekonszeptualisierungen deshalb sinnvoll sind, ist eine grundlegende Frage, der es sich zu stellen gilt. Wesentlich ist: Im Zentrum muss ein Verständnis des Politischen liegen, das Ausschlussmechanismen durch Dekonstruktion offenlegt.

 

Zentrale Literatur
  • Bourdieu, P. (1987):  Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  • Bourdieu, P. (1982): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  • Butler, J. (2002): Was ist Kritik? Ein Essay über Foucaults Tugend. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 50, 249-265.
  • Eribon, D. (2018): Grundlagen eines kritischen Denkens. Turia & Kant, Wien
  • Eribon, D. (2016): Rückkehr nach Reims. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  • Flügel, O./Heil, R./Hetzel, A. (Hg.) (2004): Die Rückkehr des Politischen: Demokratietheorien heute. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Darmstadt
  • Laclau, E. (2005): On Populist Reason. Verso, London/New York.
  • Laclau, E./Mouffe, C. (1991): Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. Passagen Verlag, Wien.
  • Loick, D. (2017): Juridismus. Konturen einer kritischen Theorie des Rechts. Suhrkamp, Berlin.
  • Mouffe, C. (2018): Für einen linken Populismus. Suhrkamp, Frankfurt/M.
  • Mouffe, C. (2010): Das demokratische Paradox. Turia & Kant, Wien