Denkende Maschinen? Wie Künstliche Intelligenz unser menschliches Selbstverständnis herausfordert

Kilian Karger (Betreuende: tbd)

Promotionsvorhaben

Wir Menschen sind in unserem Wesen als geistige, denkende Lebewesen in besonderer Weise davon betroffen, dass von uns hergestellte Maschinen uns in Bereichen weit übertreffen, die seit Jahrtausenden als uneinholbares Vorrecht unserer Denktätigkeit, unserer Intelligenz galten. Neben allen praktischen Vorteilen, die solche künstlichen Systeme uns als vielseitiges Werkzeug bieten, werfen sie auch die Frage nach der Möglichkeit des Maschinen-Denkens auf. Denn wenn eine Maschine sowohl auf ihrer technischen Innenseite den Grundlagen der Bedingung der Möglichkeit menschlichen Denkens im Gehirn nachempfunden ist, als auch aus der Außenperspektive menschliches Verhalten so gut simulieren kann, dass für einen Beobachter kein Unterschied zum Menschen erkennbar ist, könnte dies doch bedeuten, dass Künstliche Intelligenz ab diesem Zeitpunkt menschliches Denken nicht nur simuliert, sondern auch selbst als genuines Denken interpretiert werden sollte.

Ziel der Arbeit ist es, mittels einer technikphilosophischen Analyse der neuesten Computertechnik, verbunden mit einer subjektphilosophischen Rekonstruktion des menschlichen Denkens und seiner Rationalität, die kognitiven Fähigkeiten von KI-Systemen auszuloten. Damit soll geklärt werden, in welchem Grad es gerechtfertigt ist, davon zu sprechen, dass künstlichen Systemen Denken zukommt. Daher soll gezeigt werden in wie fern die konstitutiven Momente des menschlichen Denkens (Intentionalität, Normativität, Bewusstseinsbezug, Weltbezug, Verkörperung) von KI-Systemen technisch realisiert werden können. Diese Frage ist gesellschaftlich höchst relevant, da wir uns einerseits in gesellschaftlichen Prozessen zunehmend auf die „Entscheidungen“ von KI-Systemen verlassen und ihnen damit Rationalität zusprechen, und andererseits unser Selbstbild als denkende und rationale Wesen entscheidend durch den technischen Fortschritt der Künstlichen Intelligenz geprägt wird. Insofern die in der aktuellen Debatte meist impliziten Vorannahmen hinsichtlich der Einordnung des maschinellen Denkens hier expliziert und kritisch diskutiert werden, wird diese Arbeit einen weiterführenden Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen bezüglich des menschlichen Selbstverständnis in digitalen Gesellschaften leisten.