Soziale Arbeit in Ghana. Das Zusammenwirken von indigenen und professionellen Hilfesystemen (Arbeitstitel)

Franziska Neureither (Betreuende: Prof. Dr. Tanja Kleibl)

Promotionsvorhaben

In der Dissertation sollen das Zusammenwirken und die Verschränkungen von indigenen[1] bzw. traditionellen Hilfesystemen und der Praxis Sozialer Arbeit in Ghana analysiert werden.

Dazu soll untersucht werden, wie Sozialarbeiter_innen ihr universitäres Wissen in der Praxis anwenden bzw. anpassen und indigenes Wissen direkt bzw. indirekt nutzen, um sozialen Problemen entgegenzuwirken.

Außerdem sollen indigene Herangehensweisen auf soziale Problemlagen und dessen Transformationsprozesse in Zeiten der Globalisierung betrachtet werden.

In einem weiteren Schritt sollen Abgrenzungen und Verschränkungen von Sozialer Arbeit und indigenen Hilfesystemen analysiert und Spannungsfelder sowie Gegensätze in bzw. zwischen indigenen und professionellen Hilfesystemen ausfindig gemacht werden.

Im Anschluss sollen diese Bereiche detailliert betrachtet werden: Es soll analysiert werden, wie genau einerseits lokale, soziale bzw. traditionelle Strukturen und andererseits die Sozialen Arbeit in parallel bzw. gemeinsam bearbeiteten Settings (wechselseitig) wirken.

Als Forschungsrahmen dient die Grounded Theory Methodologie (vgl. Glaser/Strauss 2010). Erweitert wird diese durch das Paradigma und die Anwendung der Situationsanalyse nach Clarke (vgl. Clarke 2005).

Die Datenerhebung findet zum einen durch teilnehmende Beobachtungen in Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Communities statt. Darüber hinaus sind teil-narrative und problemzentrierte Interviews sowie Expert_inneninterviews und Diskussionen in Fokusgruppen geplant.

Die Dissertation hat zum Ziel, eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme über das Zusammenwirken sowie die Verschränkungen von indigenen Hilfesystemen und der Sozialen Arbeit in Ghana aufzustellen.

 

[1] Der Terminus ‚indigen‘ ist mehrdeutig und nicht klar zu definieren. Die UN hat 1986 eine Arbeitsdefinition bereitgestellt (vgl. UNHCR 1982). Gerade im afrikanischen Kontext ist – durch die Kolonialgeschichte und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Verschränkungen – eine Grenzziehung zwischen indigenen und nicht-indigenen Völkern nicht klar möglich bzw. äußerst komplex (vgl. InWEnt/GTZ 2015, S. 9 f.). Im Zuge der Dissertation wird sich vertieft mit der Begriffsbestimmung und dessen Auslegung im afrikanischen Kontext auseinandergesetzt.

 

Literatur
  • Clarke, Adele (2005): Situational Analysis: Grounded Theory After the Postmodern Turn. Thousand Oaks, CA: Sage
  • United Nations Commission on Human Rights (1982): Study of the Problem of Discrimination Against Indigenous Populations – Final report, Chapter V. Document Nr.: E/CN.4/Sub.2/1982/2Add.6
  • Glaser, Barney/Strauss, Anselm (2010): Grounded Theory – Strategien qualitativer Forschung. Bern: Hans Huber Verlag.
  • InWent/GTZ (2005): Indigene Völker in Lateinamerika: Hintergründe – Fakten, Anregungen für den Unterricht. Düsseldorf: ohne Verlag.