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Im Ge­spräch mit Hart­mut Rosa

Themenreihe: Eine Münchner Begegnung zwischen Soziologie und Philosophie

Lena Schütz­le und René Pi­kar­ski hat­ten wäh­rend ei­nes Work­shops des Dok­to­ran­den­kol­legs von Prof. Dr. Mi­cha­el Re­der an der Hoch­schu­le für Phi­lo­so­phie Mün­chen am 27. Juni 2025 die Chan­ce, mit dem So­zio­lo­gen Prof. Dr. Hart­mut Rosa von der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät Jena ins Ge­spräch zu kom­men. In die­ser The­men­rei­he be­rich­ten sie von ih­rem Aus­tausch.

 

Zum Bei­trag von René Pi­kar­ski

 

Von Lena Schütz­le

Der So­zio­lo­ge Prof. Dr. Hart­mut Rosa be­such­te die Hoch­schu­le für Phi­lo­so­phie Mün­chen am 26. und 27. Juni 2025. Am Abend prä­sen­tier­te er in ge­wohnt ein­drucks­vol­ler Wei­se zen­tra­le The­sen sei­nes Re­so­nanz­kon­zepts und lud das Pu­bli­kum zur Re­fle­xi­on über das Ver­hält­nis zwi­schen Sub­jekt und Welt, aber auch zwi­schen So­li­da­ri­tät, Ver­ant­wor­tung und Re­so­nanz ein. Die an­schlie­ßen­de Dis­kus­si­on zeig­te, wie sehr sein An­satz zum Den­ken an­regt – nicht nur in aka­de­mi­schen Kon­tex­ten, son­dern weit dar­über hin­aus.

Am dar­auf­fol­gen­den Vor­mit­tag hat­ten wir die be­son­de­re Ge­le­gen­heit, im Rah­men ei­nes Work­shops mit dem Pro­mo­ti­ons­kol­lo­qui­um von Prof. Dr. Mi­cha­el Re­der in­ten­si­ver mit Hart­mut Rosa ins Ge­spräch zu kom­men. Mi­cha­el Re­der ist Ver­tre­ter der Prak­ti­schen Phi­lo­so­phie und be­fass­te sich in vie­len For­schungs­pro­jek­ten mit po­li­ti­scher So­li­da­ri­tät und Vul­nerabi­li­tät, zu­dem ist er seit 2025 Mit­glied im Lei­tungs­gre­mi­um des Kol­legs Zei­chen der Zeit lesen. Zwei der phi­lo­so­phi­schen Impulsgeber:innen, René Pi­kar­ski und ich, sind Mit­glie­der die­ses Pro­mo­ti­ons­kol­legs und er­hiel­ten die Mög­lich­keit, je­weils eine kri­tisch-kon­struk­ti­ve Ant­wort auf Ro­sas Werk zu for­mu­lie­ren.

Im Fol­gen­den skiz­zie­re ich ei­ni­ge zen­tra­le The­men, die in un­se­rem Aus­tausch auf­ka­men, und tei­le, was mir be­son­ders in Er­in­ne­rung blei­ben wird.

Ich selbst nä­her­te mich Hart­mut Ro­sas Re­so­nanz­theo­rie aus ei­ner phä­no­me­no­lo­gisch-bud­dhis­ti­schen Per­spek­ti­ve. Aus­ge­hend vom Kon­zept der Lee­re – ver­stan­den als die Ein­sicht, dass nichts ein se­pa­ra­tes, un­ver­än­der­li­ches Selbst be­sitzt – stell­te ich die Fra­ge, wie Mit­ge­fühls­theo­rien so­wie Hart­mut Ro­sas Re­so­nanz­kon­zept po­li­tisch ge­wen­det wer­den könn­ten. Die Phi­lo­so­phie der Lee­re er­mög­licht es, Wi­der­sprüch­li­ches ne­ben­ein­an­der ste­hen zu las­sen, ohne es auf­lö­sen oder ver­ein­heit­li­chen zu müs­sen. Da­mit bie­tet sie nicht nur ei­nen al­ter­na­ti­ven Zu­gang zum Mit­ge­fühl, son­dern auch eine Mög­lich­keit, die Re­so­nanz­theo­rie zu „ent-ro­man­ti­sie­ren“: Statt idea­li­sier­ter, nor­ma­ti­ver Welt­be­zie­hun­gen rü­cke sie die Am­bi­va­len­zen, Span­nun­gen und Kon­tex­te in den Vor­der­grund. Zu­dem reg­te ich an, kri­tisch-phä­no­me­no­lo­gi­sche An­sät­ze – etwa im An­schluss an Mau­rice Mer­leau-Pon­ty oder Sara Ah­meds neue­re fe­mi­nis­ti­sche Phä­no­me­no­lo­gie – als Brü­cke zwi­schen Re­so­nanz und Mit­ge­fühl zu den­ken, ins­be­son­de­re in Be­zug auf po­li­ti­sche Sub­jek­ti­vie­rung und Re­la­tio­na­li­tät. 

Ne­ben dem sich dar­aus er­ge­ben­den Ge­spräch, wa­ren die Bei­trä­ge der an­de­ren Impulsgeber:innen eine wah­re Be­rei­che­rung für mich. René Pi­kar­ski, der sich in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on mit dem Kon­zept der In­tui­ti­on be­fasst, setz­te sich ver­tieft mit Ro­sas Be­griff der “Un­ver­füg­bar­keit” und der “Ah­nung“ aus­ein­an­der. Er frag­te, in­wie­fern Ah­nun­gen als vor­re­fle­xi­ve For­men der Wahr­neh­mung von Re­so­nanz­erfah­run­gen ver­stan­den wer­den kön­nen, und ob sie auch For­men in­tui­ti­ver Er­kennt­nis be­inhal­ten. Sein Bei­trag kann hier nach­ge­le­sen wer­den.

Ei­nen wei­te­ren wich­ti­gen Bei­trag lie­fer­te Ve­ro­ni­ka Hil­zen­sauer, die zu Han­nah Are­ndts Werk aus re­la­ti­ons­theo­re­ti­scher Per­spek­ti­ve forscht. In ih­rer In­ter­ven­ti­on for­mu­lier­te sie prä­zi­se, kri­ti­sche An­fra­gen an Hart­mut Ro­sas Re­so­nanz­be­griff, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf po­li­ti­sche Hand­lungs­fä­hig­keit, Ver­ant­wor­tung und die grund­le­gen­de Re­la­tio­na­li­tät in plu­ra­len Ge­sell­schaf­ten. In­wie­fern führt Re­so­nanz als mo­nis­ti­sches Kri­te­ri­um für das gute Le­ben in eben die­ser theo­re­ti­schen Grund­le­gung zu ei­ner Ver­en­gung des Spek­trums von (kri­ti­sier­ba­ren) Be­zie­hun­gen?

Da­ni­lo Ga­jic knüpf­te an For­schungs­pro­jek­te am Lehr­stuhl an und frag­te nach Hart­mut Ro­sas Be­griff der Ver­letz­lich­keit. Wo ist der Un­ter­schied zwi­schen Be­rühr­bar­keit und Ver­letz­lich­keit? Und geht es am Ende nicht auch dar­um, nicht nur ein gu­tes Le­ben zu füh­ren, son­dern auch dar­um, über­haupt über­le­ben zu kön­nen?

Die Dis­kus­sio­nen ver­lie­fen in ei­ner aus­ge­spro­chen wohl­wol­len­den At­mo­sphä­re. Hart­mut Rosa er­wies sich da­bei als äu­ßerst of­fen, re­so­nanz­fä­hig und zeig­te In­ter­es­se an den ak­tu­el­len phi­lo­so­phi­schen De­bat­ten. Für mich war es be­stär­kend, mein ei­ge­nes For­schungs­the­ma an­zu­brin­gen und so vie­le, sinn­vol­le An­knüp­fungs­punk­te zu ent­de­cken. Auch wenn das phi­lo­so­phi­sche Ar­bei­ten – zu­min­dest in der Dis­ser­ta­ti­ons­pha­se – ein ein­sa­mes Un­ter­fan­gen sein kann, schei­nen wir doch nie ganz al­lein mit un­se­ren An­lie­gen zu sein. Umso span­nen­der, wenn der ei­ge­ne Bei­trag von Kolleg:innen als Be­rei­che­rung wahr­ge­nom­men wird.

Un­ser Tref­fen mit Hart­mut Rosa bleibt als ein be­son­ders in­spi­rie­ren­der Mo­ment wis­sen­schaft­li­cher Be­geg­nung in Er­in­ne­rung – als ein Bei­spiel da­für, wie pro­duk­tiv Re­so­nanz auch in der aka­de­mi­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on wir­ken kann.

 

 

 

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